9. *IRAN* .....die Freundlichkeit der Iraner ist grenzenlos und dabei bleiben sie hartnäckig.

Es ist unser zweiter Tag im Iran. Alles ist neu, der Verkehr um einiges chaotischer wie in der Türkei. Wir sind kurz vor Tabris, wo wir am nächsten Tag unseren ersten Coachsurfer Farshad treffen wollen. Unser erster Halt direkt neben der Schnellstraße geben wir nach wenigen Minuten auf, zu laut, zu viele Neugierige, einfach ein ungutes Gefühl hier zu schlafen.
Genervt versuchen wir unser Glück an einer nahe gelegenen Picknickstelle an einem See. Bei der Ankunft sehen wir bereits, der See ist eingezäunt und die Security macht uns klar, übernachten ist hier nicht erlaubt. Kein Problem, unweit der Picknickstelle stellen wir uns hinter eine Baumallee, passt doch, hier gefällt`s uns.

Hamid, der freundliche Securitymen ...
Fünf Minuten später, eine Security taucht auf, wir dürfen nun doch im Picknickplatz übernachten. Aber das Dach von MrRolli ist bereits oben und Remo schnibbelt schon den Salat. Wir können ihn überzeugen, wir bleiben stehen. Weitere fünf Minuten später, die Security taucht mit Verstärkung auf. Nun bestehen Sie darauf, der Manager des Parks möchte, dass wir im eingezäunten, sicheren Bereich übernachten. Super, Dach runter, Salat verstaut, wir übersiedeln mit Eskorte in den
                                                               Hochsicherheitsbereich J.
Der Manager taucht auf, begrüßt uns freundlich, die Besichtigung von MrRolli kann vollzogen werden. Hamid, der freundliche Security, spielt dabei den Übersetzter, der Manager spricht kein Englisch. Dafür zeigt sich der Parkmanager umso großzügiger, lädt uns zum Wasserskifahren ein und beordert Hamid als unseren persönlichen Betreuer für den ganzen Abend.
Wir fühlen uns wie Superstars! Am selben Abend im Loungebereich auf dem See, wir trinken auf Kosten des Manager und erhalten dabei drei weitere Einladungen für den nächsten Tag. Geht nur leider nicht, wir wollen unseren Coachsurfer Farshad treffen.
mit Farshad im alten Bazar
von Tabriz
Am Morgen darauf, Hamid will uns unbedingt bis zum vereinbarten Treffpunkt mit Farshad begleiten, also quetschen wir uns zu dritt in MrRolli und düsen in die Stadt. Hamid will uns ungern ziehen lassen, zum Abschied schenkt er uns noch ein kleines Parfüm, voll nett!
Wir treffen Farshad, unseren zweiten Coachsurfer auf der Reise. Hätten wir vorher gewusst, dass wir so viele Einladungen im Iran bekommen, hätten wir uns nie mit Farshad getroffen, was aber wirklich schade gewesen wäre.
Farshad ist kaum älter als 20 Jahre, spricht fließend Deutsch und ist von Österreich begeistert. Er zeigt uns seine Heimatstadt Tabriz, die Stadt der Teppichknüpfer. Wir verstehen uns auf Anhieb blendend und erleben so mit Ihm und seinen Freunden einen unvergesslichen Tag. Am Abend als wir uns verabschieden wollen, bleibt neben MrRolli ein Auto stehen. 2 Polizisten steigen aus und wollen von Farshad wissen, was er bei uns macht. Farshad steht Rede und Antwort, wir müssen 4wheelcabin kurz öffnen. Das war`s, die Erste Begegnung mit dem mächtigen Kontrollstaat!
Farshad sieht das ganze locker, er ist solche Situationen gewohnt. Mit seinen kritischen Äußerungen gegen die Staatsmacht bewegt er sich auf einem schmalen Grat, ohne genau zu wissen, was für Konsequenzen er zu erwarten hat.
Kandovan - klein Kapadokia
Noch am selben Abend geht’s für uns weiter nach Kandowan, klein Kapadokien. Im Gegensatz zu der Hügellandschaft in der Türkei, leben in Kandowan immer noch Menschen in den Höhlen. Es ist mehr ein Freilichtmuseum. Die Bewohner verstehen ihr Geschäft daraus zu machen und die Besucher lieben die authentische, alte Lebensweise ….. eine klassische win-win Situation.

beim alten Romadorf .....
Tag 5, wir brechen nach Quazin auf, wo wir unseren dritten Couchsurfer treffen wollen. Meysam wohnt zu Hause bei seinen Eltern und arbeitet als Übersetzer in der Türkei. Es dauert ein wenig, bis das Eis zwischen uns bricht. Meysam nimmt uns mit zu seinem Freund Abolfazl, der Dorfvorsteher der Gypsis, ein Zigeunervolk das nicht unweit von Quazin seine Wurzeln hat. Gemeinsam besuchen wir das 600 Jahre alte Dorf, von dem nur noch wenige Lehmmauern bestehen. Einige neue Löcher im Erdreich bezeugen,  dass die Geschichte vom verborgenem Gold nicht vergessen ist. Den Gypsis wird Reichtum nachgesagt und im Vergleich mit anderen ist Abolfazl wirklich ein reicher Mann. Er besitzt zwei alte LKW`s, ein Auto, ein Motorrad und hat ein großes Haus in dem er mit seiner Familie lebt.
zum Abendessen bei
Abolfazl und seiner Familie
Abolfazl ist außerordentlich bemüht um uns. Zu viert besuchen wir eine Farm, wo wir im Wasserreservoir uns abkühlen, fahren mit Iranitempo nach Quazin um eine Moschee zu besuchen und Eis zu essen. Inzwischen kocht seine Frau Abendessen für uns und wir verbringen den Abend bei Ihnen zu Hause.
Abolfazl sieht den Ursprung der Gypsis im Iran. Beweise dafür sieht er in den alten Liedern der Zigeuner, logisch dass wir noch den Dorfsänger nachts um 1 Uhr aufsuchen, der mehrere Lieder
                                                               zu seinem Besten gibt.
beim Dorfsänger mitten in der Nacht ...
unser Nachtlager bei Meysam ...
Die Nacht verbringen wir bei Meysam. Remo und ich sind überrascht wie groß und schön seine Wohnung ist. Es scheint, dass er alles hat, aber leider sieht auch er seine Zukunft nicht im Iran.

Tag 7, die Straße in die Berge nach Alamout Valley ist gesperrt. Die alte Ersatzstraße ist eine windige `Dirtroad-Schotterpiste` auf die wir keine Lust haben. Wir entscheiden uns kurzfristig die 350km ans Kaspische Meer zu fahren. Spät am Abend kommen wir an und finden zu unserem Glück einen Platz am  Sandstrand zum übernachten. Es dauert nur wenige Minuten und ein älterer Herr taucht auf. Von Beruf Englischlehrer, der aber kaum Englisch sprechen kann. Genauso seltsam waren seine Erklärungen, dass der Stellplatz nicht sicher ist. >> no safe, no safe<<, er klopft auf die Kabine,  und deutet an, dass in der Nacht Leute vorbeikommen und ruft dabei >> Wixi – Wixi<<. Als er dann noch zeigt, dass sie mit Messern die Reifen aufstechen, ist für Remo der Platz gestorben.

it is not safe .... häää?
Klar, dass der Englischlehrer uns zu sich nach Hause einladet, aber nach langem akzeptiert er, dass wir nicht mitkommen. Er erklärt uns ein Park in der Stadt wo wir schlafen können, nur 14km entfernt. Also Dach runter, wir starten mit MrRolli in die Stadt. Aus den 14km werden über 40km und der Park entpuppt sich als riesige Menschenansammlung, es steht fest, hier können wir nicht stehen bleiben. Mittlerweile ist es 23 Uhr, hundemüde fahren wir wieder aus der Stadt raus und finden dank Susi, unsere Navigationsstimme, ein Zeltplatz am Ende der Stadt.

Tags darauf, das Kaspische Meer ist greifbar nahe. So langsam begreifen wir, dass im Iran niemand frei stehen bleibt. Alles spielt sich in eingezäunten Bereichen ab, wo die eigene Security für Recht und Ordnung sorgt. Wir spielen mit und bleiben für umgerechnet 2,20€/Nacht für drei Nächte stehen . Dafür gibt’s Frischwasser, einen schönen Strand und Unterhaltung durch die neugierige Bevölkerung. Unsere Nachbarn, die Familie der kleinen Maria, ist überaus freundlich. Fast schon zu freundlich, nach 2 Tagen nennen wir Sie die `Caspien Sea stalking Familiy` nennen.

die wilde Truppe vom Kiosk ...
Tag 10, über die Berge fahren wir ins Inland, Richtung Teheran, die Hauptstadt Iran`s. Remo hat bei unserem letzten längeren Stopp durch Zufall eine App gefunden, die Stellplätze von `Overlandern` zeigt. Reisende, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind, markieren Plätze wo sie im jeweiligen Land problemlos übernachten konnten. So fahren Remo und ich nicht blindlings in die Hauptstadt, wir haben ein Ziel, ein kleiner Park am Rande von Teheran. Als wir ankommen, sind wir enttäuscht, der Park ist voll und rundherum kann nur geparkt werden, aber das ist sicherlich kein Schlafplatz für die Nacht. Wir wollen bereits weiterfahren, da taucht Arif auf. Er besteht darauf, dass wir bleiben.
Hassan der Boxer - unsere
persönliche Security :-)

mit MrRolli mitten im Park ....
Ein Holländer war vor zwei Monaten auch schon hier und hat im Park übernachtet. Na dann, bei einem Tee erholen wir uns von der Fahrt durch die Berge und umso mehr die Zeit verstreicht, umso mehr Leute tauchen am Kiosk auf. Die Stimmung wird ausgelassen, wir haben einen riesen Spaß mit den Jungs.
Die üblichen Einladung nach Hause verwehren wir uns, MrRolli ist unser zu Hause, nur wo bleiben wir stehen. Seitlich am Park ist unser Gedanke, aber Arif öffnet spät abends die Absperrung und meint wir sollen uns reinstellen. Zuerst zögern wir, aber als auch der Security meint das wäre in Ordnung stellen wir uns fett mitten in den Park hinein, was für ein toller Schlafplatz!

Teheran, die 14 Millionen Hauptstadt, umfahren Remo & ich am nächsten Morgen möglichst großräumig. Selbst nach mehr als 12 tausend gefahrenen Kilometern, haben wir keine Lust auf den Chaosverkehr. In Richtung Kashan bleiben wir auf einer Raststätte stehen und planen die weitere Fahrt.
Beim Auffahren auf die Schnellstraße überholt uns ein alter Baustellenkastenwagen mit Schweizer Kennzeichen. Aber Moment mal, seitlich hängt eine riesige Markise drann und die Beifahrerin springt fast aus dem Fenster raus, als sie uns zuwinkt. Das sind Overlander, die ersten freundlichen Overlander! Wir stoppen seitlich am Straßenrand, ein junges Pärchen steigt aus, Olivia aus Schweden und Joel aus Bern, mega freundich. Die  Reisepläne für den Iran werden ausgetauscht und nach fünf Minuten sind wir schon wieder alleine unterwegs. Das war schon alles, echt jetzt? Eine kleine Chance, dass wir Sie wieder treffen, gibt es noch.Am Abend wollen wir nähe Kashan an einem Salzsee übernachten, das wissen Olivia & Joel, aber ob Sie auch kommen steht noch nicht fest.


Am späten Nachmittag erreichen Remo und ich die Straße zum Salzsee. Bis zur Caravanserei, einem alten Fort, sind es noch über 35 Kilometer, heftiger Wind weht und die Asphaltstraße ist  gerade zu Ende, weiter geht’s auf einer Schotterwaschbrettpiste, mitten durch die Wüste. Ich hab den Glauben bereits aufgegeben, die Piste werden Olivia & Joel sicherlich nicht fahren, schade um die Beiden.


Camelhüter auf dem Bike ....
Remo und ich sind zum ersten Mal in so einem großen Sandkasten unterwegs. Die Piste wechselt ständig, MrRolli gibt dabei sein Bestes. Immer wieder halten wir an, die Landschaft ist genauso vielfältig und dabei wunderschön. Bei einem Halt ruft Remo plötzlich >> die Schweizer kommen<<. Anfangs halte ich es für einen Scherz, die kommen niemals so eine Piste rausgefahren. Aber tatsächlich, mit ihrem getarnten Kastenwagen kommen Sie
                                                               immer näher.
Gemeinsam geht die Fahrt weiter, an den von iOverland gemarkten Aussichtspunkt, nahe einer alten Caravanserei, wo schon vor hunderten von Jahren, Reisende auf der Seidenstraße Halt gemacht haben.
7 Stunden bis zum Exetus,
no problem :-(
Am Aussichtspunkt angekommen merken wir schnell, die Chemie zwischen uns Vier passt perfekt. Die Autos werden rücklings aneinander gestellt und so sitzen wir  windgeschützt noch lange nach dem Sonnenuntergang beisammen. In unseren Reiseerzählungen vertieft, will etwas im Halbschatten neben dem Tisch davonschleichen. Mit etwas mehr Licht wird uns fast schwarz vor den Augen. Ein großer schwarzer Skorpion ist unter unserem Tisch durchgekrabbelt. Vorbei an unseren Füssen, alle natürlich praktisch Barfuß nur mit Flip-Flops bewaffnet. Erst Tage später wird uns bewusst, wie gefährlich so ein Krabbler eigentlich sein kann.

Masjed-e Shah Moschee .... 
Unsere Reiseziele im Iran sind praktisch identisch, also geht’s zu viert auf nach Isfahan. Mit zwei ausländischen Caravans haben die wenigsten Iraner gerechnet, so ist anfangs die Hemmschwelle angesprochen zu werden etwas größer. Aber es ist Freitag, Moslems ihr freier Tag, der Park ist brechend voll und nach kurzer Zeit sitzen wir bei `Chai – Schwarztee` mit einer Familie zusammen. Das Familienoberhaupt fragt uns nach `Wixi-Wixi`….. mit großen Augen schauen wir Vier uns an, Olivia und Joel kennen bereits die Geschichte vom Kaspischen Meer. Wir können uns das Lachen kaum verkneifen. Aber jetzt, im Zusammenhang und der Gestik des Mannes denken wir das Rätsel lösen zu können. Der alte Mann meinte Whisky-Whisky. Die Geschichte bleibt unser ` Running Gag ` für die restliche gemeinsame Zeit.
Masjed-e Sheikh Lotfollah Moschee
Chai - Klopause ....
Pol-e Si-o Seh Brücke ....
Auch in Isfahan werden wir immer wieder angesprochen. Remo & ich sind es schon teilweise leid, aber Joel ist da überaus kommunikativ  ….. Swiss, Swed, Autriche …. es ist ein ständiges Wiederholen woher wir kommen, was wir machen, wohin die Reise führt, um am Ende eine Einladung in ein iranisches  Heim zu erhalten. Nur schwer können wir Ihnen klar machen, dass MrRolli unser zu Hause ist.
Wir fragen Olivia wann für Sie denn der richtige Zeitpunkt ist, wo Sie eine Einladung annehmen?  >>   Wenn Sie vor dem Abendessen fragen und wenn es Hühnchen gibt <<, wir lachen uns krumm!
In unserem Park in Isfahan, zeltet Sayad direkt neben unseren Autos. Sayad kommt aus Aserbaidschan und ist mit dem Rucksack unterwegs. Aus Vier Reisenden werden fünf und wir verbringen die nächsten Tage gemeinsam.
am Saltlake nahe Shiraz ....
Geschichtsträchtige Städte liegen auf dem weiteren Weg, Persepolis und Shiraz. Wir leben den gleichen Rhythmus wie Olivia & Joel und bemerken dabei gar nicht wie schnell die Zeit vergeht.






Freitagsmoschee in Yazd ...
die Überreste von Persepolis ...
Am Ende in Yazd, wo sich unsere Wege vorerst trennen, sind es 11 Nächte und 12 Tage die wir gemeinsam im
Iran verbringen. Ihr Weg führt Sie weiter in den Norden. Turkmenistan, Kasachstan, Russland, …. viel Glück euch Beiden!

beim Chack-Chack Firetempel -
wer findet MrRolli auf dem Bild?
Remo und ich biegen Richtung Osten ab. In Kerman bleiben wir 3 Tage stehen um uns mit dem Notwendigen für die weitere Reise einzudecken. Noch 2 Tage Bam, eine alte Lehmstadt im Iran, bevor wir am Montag den 28.08 die Grenze nach Pakistan überqueren.

Bereits eine Woche später wollen wir schon in Nordindien sein, aber ihr kennt das, das ist eine andere Geschichte ……








Kommentare

  1. ...wow - so schöne Fotos! Nächstes Mal Skorpion bitte töten und mir mitbringen oder schicken! Ich mach was Schönes draus...grüsse und küsse patrizia

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    1. Patrizia! Wir können doch nicht gleich alles töten .... es genügt schon, was wir alles auf unserer Reise überfahren ;-)

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